„Neue Höchststände bei den Privatinsolvenzen, aber erste Hoffnungsschimmer erkennbar“
Hier finden Sie die aktuelle Presseinformation „Überschuldete private Haushalte“ in Ostwestfalen-Lippe am 31. Dezember 2007. (Es gilt das gesprochene Wort). Per Mausklick auf die Überschriften können Sie die einzelnen Textabschnitte ein- und ausblenden.
Der Verband der Vereine Creditreform pflegt die weltweit größte Datenbank über bundesdeutsche Unternehmen. Aber damit nicht genug: Die 130 Büros in Deutschland verwalten auch eine Privatpersonen-Datenbank, in die sofort nach ihrer Veröffentlichung alle Negativmerkmale eingepflegt werden.
Sobald ein Schuldner die Eidesstattliche Versicherung (EV) abgegeben hat oder eine Haftanordnung (HA) zu deren Abgabe erging, werden diese Daten aufgenommen.
Nach Ablauf von drei Jahren werden diese Negativmerkmale automatisch taggenau wieder gelöscht. Da aber ein Titel 30 Jahre gültig ist, können die Gläubiger danach eine erneute Offenlegung der Vermögensverhältnisse bzw. eine neuerliche EV verlangen.
Eine andere Möglichkeit als die automatische Löschung nach drei Jahren ist die Tilgung der Schuld. Dann kann der Eintrag sofort wieder gelöscht werden. Diese Löschung muss vom Schuldner beantragt werden.
Das dritte und negativste Schuldenmerkmal ist die Insolvenz. Reine Insolvenzanträge und sofort abgewiesene Verfahren werden jedoch häufig nicht registriert, da sie nicht veröffentlichungspflichtig sind. Die Zahl der Insolvenzanträge liegt somit höher, als die im Folgenden angegebenen Zahlen der eröffneten privaten Insolvenzverfahren .
Das Creditreform Kompetenz Center Ostwestfalen-Lippe hat in dieser Auswertung nicht auf die verschuldeten, sondern überschuldeten Privathaushalte in OWL fokussiert. Als Auswertungszeitpunkt wurde das Jahresende 2007 im Vergleich zum Jahresende 2006 gewählt. Die Ergebnisse stellen einen wichtigen Indikator für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation in der Region dar.
Tabelle 1: Neue Negativmerkmale im Jahre 2007 (Vorjahr in Klammern)
|
Kreis
|
HA
|
EV
|
Private InsoV
|
Gesamt
|
|
Gütersloh
|
1.591 (1.987)
|
3.461 (3.709)
|
278 (286)
|
5.330 (5.982)
|
|
Herford
|
1.738 (1.729)
|
2.826 (3.040)
|
304 (302)
|
4.868 (5.071)
|
|
Höxter
|
758 (879)
|
1.383 (1.463)
|
109 (103)
|
2.250 (2.445)
|
|
Lippe
|
1.860 (2.118)
|
4.337 (4.384)
|
410 (319)
|
6.607 (6.821)
|
|
Minden-Lübbecke
|
2.273 (2.436)
|
3.426 (3.394)
|
384 (349)
|
6.083 (6.179)
|
|
Paderborn
|
1.931 (2.044)
|
3.186 (3.217)
|
206 (235)
|
5.323 (5.496)
|
|
Stadt Bielefeld
|
2.335 (2.717)
|
3.791 (4.629)
|
415 (454)
|
6.541 (7.800)
|
|
Summe OWL
|
12.486 (13.910)
|
22.410 (23.836)
|
2.106 (2.048)
|
37.002 (39.794)
|
| Veränderung |
-10,2%
|
-6,0%
|
+ 2,8%
|
|
Ausgangspunkt für die Betrachtung der Überschuldung privater Haushalte ist die Eintragung neuer Negativmerkmale. Die in den letzten vier Jahren durchgängig problematische Entwicklung wurde in 2007 erstmals wieder gebremst. Bei der Analyse muss allerdings genau auf die Entwicklungen der einzelnen Negativmerkmale geachtet werden.
Der Schwerpunkt aller Eintragungen in OWL lag wie bisher eindeutig bei der EV. Hier waren mit 22.410 neuen Eintragungen 60% aller neuen Negativmerkmale zu verzeichnen. Erfreulich dabei ist, dass diese Zahl einem Rückgang um 6,0% entspricht. Eine Tatsache, die wir seit Beginn unserer Statistik im Jahr 2003 noch nie melden konnten. Der Rückgang um 10,2% von 13.910 in 2006 auf 12.486 neuer Haftanordnungen ist genauso zu sehen.
Während bei den Haftanordnungen und den Eidesstattlichen Versicherungen zwar auf hohem Niveau erste Rückgänge zu verzeichnen sind, fällt die weiterhin negative Entwicklung bei den privaten Insolvenzen ins Auge. Die nochmalige Steigerung von 2.048 um 2,8% auf 2.106 neue private Insolvenzverfahren im Jahr 2007 ist deutlich herauszustellen. Das einzig Positive daran ist, dass die im Vorjahr mit einem Zuwachs um 19,8% dramatische Entwicklung im Jahr 2007 gebremst wurde.
Im Vergleich zu Gesamtdeutschland konnte OWL hier wieder einmal bessere Werte liefern. Bundesweit liegt die Steigerungsrate der privaten Insolvenzen bei gut 8 %, wobei insgesamt rund 132.400 neue Fälle gezählt werden mussten.
Betrachtet man die Situation in den sechs Kreisen und der kreisfreien Stadt Bielefeld genauer, so ist die Entwicklung recht unterschiedlich. Neuer Spitzenreiter bei den neu eingetragenen Negativmerkmalen ist mit 6.607 erstmals der Kreis Lippe. Bielefeld hat durch die relativ beste Entwicklung in OWL nunmehr mit 6.541 neuen Eintragungen knapp dahinter Platz 2 inne.
Am wenigsten hat der Kreis Minden-Lübbecke an der Entwicklung teilnehmen können. Bei rückläufigen Zahlen neuer Haftanordnungen sind die neu eingetragenen Insolvenzen und die EV gestiegen. Traditionell die niedrigste Zahl neuer Negativmerkmale stammen aus dem Kreis Höxter. Hier mussten „nur“ 2.250 neue Negativmerkmale dokumentiert werden, nach 2.445 im Vorjahr.
Private Insolvenzverfahren wurden regional gesehen in sehr unterschiedlichem Maß genutzt. Während im Kreis Höxter 109 private Insolvenzverfahren (+6 zum Vorjahr) eingeleitet wurden, waren es in Bielefeld und im Kreis Lippe 415 bzw. 410 neue Verfahren. Aber es sei an dieser Stelle als Zwischenfazit nochmals darauf hingewiesen: Die Zahlen neuer Haftanordnungen und Eidesstattlicher Versicherungen waren leicht rückläufig, während die Zahl der privaten Insolvenzen weiter gestiegen ist!
Tabelle 2: Negativmerkmale am 31.12.2007 (31.12.2006 in Klammern)
|
Kreis
|
HA
|
EV
|
Private InsoV
|
Gesamt
|
Veränderung
|
|
Gütersloh
|
4.686 (4.863)
|
10.404 (10.439)
|
1.246 (961)
|
16.336 (16.263)
|
+0,4%
|
|
Herford
|
4.876 (4.946)
|
8.699 (8.916)
|
1.288 (997)
|
14.863 (14.859)
|
+0,0%
|
|
Höxter
|
2.223 (2.235)
|
4.262 (4.450)
|
398 (286)
|
6.883 (6.971)
|
-1,3%
|
|
Lippe
|
5.569 (6.072)
|
12.411 (11.940)
|
1.427 (1.069)
|
19.407 (19.081)
|
+1,7%
|
|
Minden-Lübbecke
|
6.577 (7.153)
|
9.893 (9.746)
|
1.445 (1.074)
|
17.915 (17.973)
|
-0,3%
|
|
Paderborn
|
5.412 (5.267)
|
9.280 (9.139)
|
754 (537)
|
15.446 (14.943)
|
+3,4%
|
|
Stadt Bielefeld
|
7.408 (7.619)
|
12.834 (13.704)
|
1.802 (1.384)
|
22.044 (22.707)
|
-2,9%
|
|
Summe OWL
|
36.751 (38.155)
|
67.783 (68.334)
|
8.360 (6.308)
|
112.894 (112.797)
|
|
|
Veränderung OWL
|
-3,7%
|
-0,80%
|
+ 32,5%
|
+ 0,1 %
|
|
Die letztendliche Wirkung der neu eingetragenen Negativmerkmale spiegelt sich in der kumulierten Statistik wider. Demnach ist die Gesamtanzahl aller Negativmerkmale auch in 2007 weiter leicht angestiegen. Nach 112.797 zum Jahresende 2006 ist die Zahl der Negativmerkmale Ende 2007 mit insgesamt 112.894 auf hohem Niveau quasi gleich geblieben.
Auch bei dieser Auswertung liegt die Brisanz in der Steigerung der privaten Insolvenzverfahren (+32,5%). Haftanordnungen und Eidesstattliche Versicherungen blieben trotz verringerter Neueintragungen auf dem hohen Vorjahresniveau.
Im Vergleich der OWL-Kreise fällt auf, dass der Kreis Paderborn (+3,4%) und der Kreis Lippe (+1,7%) die größten Zuwachsraten hatten, während die Situation in Bielefeld mit -2,9% relativ am besten einzustufen ist. Jedoch blieb Bielefeld mit 22.044 Negativmerkmalen Spitzenreiter gefolgt vom Kreis Lippe mit jetzt 19.407 Eintragungen. Mit Abstand die geringste Anzahl eingetragener Negativmerkmale hat weiterhin der Kreis Höxter (6.883).
Tabelle 3: Überschuldete Privatpersonen am 31.12.
|
Kreis
|
2005
|
2006
|
2007
|
Diff. 2007
|
Veränd. 07
|
|
Gütersloh
|
8.895
|
9.318
|
9.325
|
+ 7
|
+0,1%
|
|
Herford
|
8.883
|
9.078
|
8.975
|
- 103
|
-1,1%
|
|
Höxter
|
4.094
|
4.232
|
4.183
|
- 49
|
-1,2%
|
|
Lippe
|
11.684
|
11.993
|
11.921
|
- 72
|
-0,6%
|
|
Minden-Lübbecke
|
10.974
|
11.173
|
11.034
|
- 139
|
-1,2%
|
|
Paderborn
|
8.095
|
8.342
|
8.635
|
+ 293
|
+3,5%
|
|
Stadt Bielefeld
|
12.483
|
12.992
|
12.830
|
- 162
|
-1,2%
|
|
Summe OWL
|
65.108
|
67.128
|
66.903
|
- 225
|
-0,3%
|
Natürlich ist die Anzahl der zum Stichtag registrierten Negativmerkmale nicht identisch mit der Anzahl der überschuldeten Privatpersonen. Es ist durchaus üblich, dass bei einer Privatperson mehrere Negativmerkmale eingetragen sind. Im abgelaufenen Jahr lag dieser Wert in OWL statistisch nahezu unverändert bei 1,7 Negativmerkmalen pro überschuldeter Person.
Erfreulich ist die Erkenntnis, dass die Zahl der in OWL überschuldeten Privatpersonen im Jahr 2007 erstmals – wenn auch nur leicht - gesunken ist, und zwar um 225 oder 0,3% auf nunmehr 66.903. Diese gesunkene Gesamtzahl ist durchaus als überraschend einzustufen, aber das Niveau ist hoch.
Mit insgesamt 12.830 überschuldeten Privatpersonen nimmt die Stadt Bielefeld wiederholt die Spitzenstellung in negativer Hinsicht ein. Danach folgen mit nur geringem Abstand die Kreise Lippe (11.921) und Minden-Lübbecke (11.034). Im ostwestfälischen Vergleich hat der Kreis Höxter weiterhin die geringste Anzahl an überschuldeten Privatpersonen (4.183) zu melden. Gemessen an Bielefeld ist dieses nur rund ein 1/3tel.
Leider muss an dieser Stelle auf die Negativentwicklung im Kreis Paderborn mit einem Zuwachs um 293 auf nunmehr 8.635 überschuldeter Privatpersonen hingewiesen werden.
Tabelle 4: Überschuldete Privatpersonen in Relation zur Einwohnerzahl.
|
Kreis
|
Einwohner 2007
|
Anzahl überschuldeter Privatpersonen
|
Quote überschuldeter Privatpersonen
|
|
2007
|
2006
|
2007
|
2006
|
|
Gütersloh
|
351.000
|
9.318
|
9.325
|
2,65%
|
2,66%
|
|
Herford
|
254.000
|
9.078
|
8.975
|
3,57%
|
3,53%
|
|
Höxter
|
153.000
|
4.232
|
4.183
|
2,77%
|
2,73%
|
|
Lippe
|
359.000
|
11.993
|
11.921
|
3,34%
|
3,32%
|
|
Minden-Lübbecke
|
321.000
|
11.173
|
11.034
|
3,48%
|
3,44%
|
|
Paderborn
|
299.000
|
8.342
|
8.635
|
2,79%
|
2,89%
|
|
Stadt Bielefeld
|
326.000
|
12.992
|
12.830
|
3,99%
|
3,94%
|
|
Summe OWL
|
2.063.000
|
67.128
|
66.903
|
3,25%
|
3,24%
|
Um die zuvor ermittelten Zahlen der einzelnen Kreise vergleichbar zu machen, bietet sich die Ermittlung einer Quote auf Basis der Einwohnerzahlen an. Erwartungsgemäß zeigen die Berechnungen in Tabelle 4 wiederholt, dass die Situation in Bielefeld deutlich am schlechtesten ist. Hier sind knapp 4,0% der gesamten Bevölkerung überschuldet. Im Kreis Herford ist die Situation mit 3,53% kaum besser.
Trotz der recht schlechten Entwicklung im Jahr 2007 liegt die Quote des Kreises Paderborn noch bei knapp 2,9% und ist damit unterdurchschnittlich. Im OWL-Vergleich weisen diesbezüglich die Kreise Gütersloh (2,66%) und Höxter (2,73%) die besten Werte auf. Noch aussagekräftiger wird die Quote der überschuldeten Privatpersonen, wenn man sie aufgrund der Geschäftstätigkeit auf die Einwohnerzahl über 18 Jahren bezieht.
Tabelle 5: Überschuldete Privatpersonen in Relation zur Einwohnerzahl über 18 Jahre.
|
Kreis
|
Einwohner 2007 über 18
|
Anzahl überschuldeter Privatpersonen
|
Quote überschuldeter Privatpersonen
|
|
2007
|
2006
|
2007
|
2006
|
|
Gütersloh
|
271.000
|
9.318
|
9.325
|
3,4%
|
3,4%
|
|
Herford
|
204.000
|
9.078
|
8.975
|
4,4%
|
4,4%
|
|
Höxter
|
122.000
|
4.232
|
4.183
|
3,5%
|
3,4%
|
|
Lippe
|
288.000
|
11.993
|
11.921
|
4,2%
|
4,1%
|
|
Minden-Lübbecke
|
256.000
|
11.173
|
11.034
|
4,4%
|
4,3%
|
|
Paderborn
|
230.000
|
8.342
|
8.635
|
3,6%
|
3,8%
|
|
Stadt Bielefeld
|
264.000
|
12.992
|
12.830
|
4,9%
|
4,9%
|
|
Summe OWL
|
1.635.000
|
67.128
|
66.903
|
4,1%
|
4,1%
|
Trotz erster leicht positiver Entwicklungen sind wie im Vorjahr rund 4,1% aller ostwestfälischen Einwohner über 18 Jahren als überschuldet einzustufen. Also statistisch mehr als jeder 25ste. Dabei ist aber auch klar, dass die Zahl der wirklich betroffenen Personen deutlich höher ist, da in der Regel die ganze Familie unter der Überschuldung leidet.
Auf die Regionen eingegrenzt liegen bei dieser Statistik die Stadt Bielefeld (4,9%), der Kreis Herford (4,4%), der Kreis Minden-Lübbecke (4,3%) und der Kreis Lippe (4,1%) jeweils über dem Durchschnittswert für ganz OWL.
Die Ursachen für die Überschuldung von Privatpersonen sind sicher von Fall zu Fall individuell zu suchen. In der Vergangenheit lag jedoch immer ein Zusammenhang ganz allgemein auf der Hand: Die Korrelationen der Daten im Schuldnerregister zur Arbeitsmarktstatistik.
Tab. 6: Arbeitslosenquoten bezogen auf alle Erwerbspersonen am 31.12.
|
Kreis
|
Arbeitslosenquote
|
|
2006
|
2007
|
| Kreis Gütersloh |
6,5%
|
4,9%
|
| Kreis Herford |
8,0%
|
6,3%
|
| Kreis Höxter |
7,7%
|
6,2%
|
| Kreis Lippe |
9,2%
|
8,0%
|
| Kreis Minden-Lübecke |
7,6%
|
6,7%
|
| Kreis Paderborn |
9,4%
|
7,6%
|
| Krsfr. Stadt Bielefeld |
11,8%
|
9,2%
|
Die Situation am ostwestfälischen Arbeitsmarkt hat sich im Laufe des Jahres 2007 nach einem schon verbesserten Jahr 2006 nochmals deutlich aufgehellt. Jedoch konnten die Schuldnerdaten mit dieser erfreulichen Entwicklung noch nicht ganz Schritt halten. Die Betonung liegt auf „noch“, denn die Negativdynamik der letzten drei Jahre ist abgeschwächt und teilweise umgekehrt worden, was sich auf die Zahlen der neu eingetragenen Haftanordnungen und EV bezieht.
Wir bemühen daher die These, dass die Arbeitslosigkeit eine mittelfristige Wirkung auf die Schuldnerdaten hat. Die öffentliche Bekanntgabe einer Zahlungsunfähigkeit erfolgt natürlich meist nicht im ersten Monat der Arbeitslosigkeit, sondern mit einigen Monaten Nachlauf. Auch umgekehrt ermöglicht die erste Lohn- bzw. Gehaltszahlung im neuen Vertragsverhältnis meist nicht die vollständige Begleichung aller Schulden und die damit verbundene Löschung der eingetragenen Negativmerkmale.
Private Insolvenzverfahren sind in 2007 so oft wie noch nie beantragt worden. Hierzu findet man Erklärungen einerseits in der Arbeitslosigkeit begründet, andererseits aber auch in der grundsätzlichen Handhabung des aktuellen Insolvenzrechts unter Berücksichtigung der Kapazitäten in der Schuldnerberatung.
Der aktuell funktionierende Arbeitsmarkt Anfang 2008 gibt auf jeden Fall Anlass zur Hoffnung, dass wir in 12 Monaten weiter verbesserte Schuldnerdaten melden können. Allerdings kann die Gesamtzahl der insolventen Privatpersonen nicht sinken, sondern lediglich die Zahl der neuen eingetragenen Negativmerkmale.
Tab.7: Altersstrukturen von Personen mit EV am 31.12.2007 (31.12.2006 in Klammern)
|
Kreis
|
unter 25
|
Diff.
|
25-34
|
Diff.
|
35-49
|
Diff.
|
50+
|
Diff.
|
|
GT
|
563 (624)
|
-9,78%
|
1.728 (1.801)
|
-4,05%
|
3.062 (3.128)
|
-2,11%
|
2.113 (2.064)
|
+2,37%
|
|
HF
|
586 (711)
|
-17,58%
|
1.534 (1.529)
|
+0,33%
|
2.687 (2.826)
|
-4,92%
|
1.908 (1.917)
|
-0,47%
|
|
HX
|
279 (317)
|
-11,99%
|
792 (774)
|
+2,33%
|
1.261 (1.350)
|
-6,59%
|
981 (992)
|
-1,11%
|
|
LIP
|
684 (732)
|
-6,56%
|
1.964 (2.008)
|
-2,19%
|
3.579 (3.708)
|
-3,48%
|
2.711 (2.710)
|
+0,04%
|
|
MI
|
706 (753)
|
-6,24%
|
1.833 (1.936)
|
-5,32%
|
3.261 (3.339)
|
-2,34%
|
2.331 (2.405)
|
-3,08%
|
|
PB
|
630 (703)
|
-10,38%
|
1.761 (1.775)
|
-0,79%
|
2.769 (2.795)
|
-0,93%
|
1.712 (1.701)
|
+0,65%
|
|
BI
|
733 (863)
|
-15,06%
|
2.307 (2.569)
|
-10,20%
|
3.699 (3.895)
|
-5,03%
|
2.448 (2.420)
|
+1,16%
|
|
OWL
|
4.181 (4.703)
|
-11,10%
|
11.919 (12.392)
|
-3,82%
|
20.318 (21.041)
|
-3,44%
|
14.204 (14.209)
|
-0,04%
|
Gesamtzahl: 50.622 (52.345) = -1.723
Anteile der EV (EV=Eidesstattliche Versicherung)
|
|
unter 25
|
25-34
|
35-49
|
50+
|
|
Altersklassen:
|
8,3 %
|
23,5 %
|
40,1%
|
28,1%
|
Weitere Aufschlüsse zum Thema Überschuldung kann die Betrachtung der Altersstrukturen liefern. Hierzu wurden die Personen mit abgegebenen Eidesstattlichen Versicherungen untersucht. Bei der wie im Vorjahr nahezu gleich gebliebenen Gesamtzahl der Personen mit mindestens einer EV ergibt sich in der Detailbetrachtung ein neuer Trend – man kann inzwischen sogar von einer Trendwende reden.
Die in den Jahren 2004 und 2005 unter besonderer Beobachtung stehende jüngste Altersgruppe unter 25 ist wie im Vorjahr kleiner geworden, und zwar um 11,1% oder 522 Personen. Damit sank der Anteil von 9,0% auf nunmehr 8,3%. Auch in den beiden anderen Altersgruppen unter 50 Jahren sind geringere Zahlen als noch vor Jahresfrist zu melden. In der Altersklasse 50+ blieb die Zahl der Personen gleich, so dass der ermittelte Anteil an allen Personen mit EV von 27,3 auf 28,1% stieg.
Gründe für diese verbesserte Entwicklung bei der jungen Bevölkerungsgruppe sind in den inzwischen stark vermehrten Bonitätsprüfungen und konsequenten Forderungsabsicherungen bzw. Prepaid-Systemen zu suchen. Damit werden den Kunden auch nur die Geschäfte ermöglicht, die sie tatsächlich bezahlen können.
Die Überlegungen zur Vermeidung von Forderungsausfällen bewegen heute nahezu jeden Produktanbieter – nicht nur im B2C-Bereich. Für Neugeschäfte gibt es funktionierende Ansätze. Aber wie steht es mit bereits mittel- oder langfristigen laufenden Verträgen wie beispielsweise privaten Miet-, Leasing- oder Kreditverträgen? Wenn die Zahlungen ausbleiben, werden gerade hier immer öfter die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Alter deutlich. Gerade vor diesem Hintergrund sind die Zahlen und die Entwicklung
bei den über 50jährigen mit EV kritisch zu beurteilen.
Den typischen Schuldner kann man heute nicht mehr ausmachen. Über alle Altersklassen und nahezu über alle Bevölkerungsschichten hat sich eine verschlechterte Zahlungsweise und/oder Zahlungsmoral ausgebreitet - auch wenn das Geld vorhanden sein sollte. Und genau darin liegt die heute die Brisanz für die gesamte deutsche Wirtschaft.
Sowohl in OWL als auch in Deutschland insgesamt hat die Überschuldung in den letzten Jahren jeweils neue traurige Spitzenwerte erreicht. Die zur Ursachenforschung eingeleiteten Analysen liefern seit nunmehr 4 Jahren Hinweise auf eine nachlassende Zahlungsmoral. Nicht nur im gewerblichen Bereich sondern verstärkt auch im Privatkundenbereich gibt es entsprechende Indizien.
Die im Bundesverband der Deutschen Inkassounternehmen (BDIU) organisierten Inkassounternehmen haben festgestellt, dass in Deutschland vorsätzliche Nichtzahlung zur Gefahr für die Volkswirtschaft wird. Neben den Hauptgründen Arbeitslosigkeit und Überschuldung wird Vorsatz als dritter Hauptgrund für Spät- oder Nichtzahlungen angegeben.
Es scheint also nicht nur ein Wirtschaftsproblem, sondern auch ein moralisches Problem in Deutschland zu geben. Sicher haben so auch vorsätzlich säumige Privatkunden zu mancher Insolvenz einen wesentlichen Beitrag geleistet. Neben dem moralischen Ansatz ist allerdings der verbesserte Arbeitsmarkt die wichtigste Quelle für die Vermeidung neuer Überschuldungen bzw. auch für den Abbau von bestehenden Überschuldungen. Und gerade das scheint derzeit zu funktionieren!
Wie in ganz Deutschland sind auch in OWL im Jahr 2007 wieder neue Höchstwerte bei Verbraucherinsolvenzverfahren gemeldet worden. Doch inzwischen kann man aus dem Rückgang der neu eingetragenen Negativmerkmale auch eine Abschwächung des Negativtrends erkennen. Insbesondere wegen der weiter verbesserten Situation am Arbeitsmarkt wird diese Hoffnung genährt.
Die für OWL vorliegenden Zahlen spiegeln schon erste positive Trends wider. Mit Ausnahme des Kreises Paderborn ist in allen Regionen die Zahl der überschuldeten Privatpersonen gleich geblieben oder sogar gesunken. Dennoch sind die Höchstwerte unverändert für Bielefeld zu konstatieren – nicht zuletzt wegen der höchsten Arbeitslosenquote.
Aber die OWL-Kreise haben in negativer Hinsicht aufgeholt. Einige Zuwachsraten waren gerade in den bisher recht positiv gestellten Kreisen höher als in Bielefeld. Private Überschuldung ist also zu einem flächendeckenden Thema geworden und nicht nur auf Großstädte und einzelne strukturschwache Regionen beschränkt.
Auch wenn die positive Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung grundsätzlich Anlass zur Hoffnung geben, so muss der Altersstruktur der Schuldner Beachtung geschenkt werden. Über 50jährige haben am Arbeitsmarkt weniger Chancen als junge Leute. Wie sollen die älteren Schuldner jemals ihre Schulden abtragen können, wenn sie keine Arbeit kriegen?
Die festgestellten Probleme durch schleppende Zahlungsweisen sind inzwischen weitgehend erkannt, stellen aber dennoch weiterhin eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Daher sollte jeder Wirtschaftsteilnehmer konsequent gegen Zahlungsverzug vorgehen oder möglichst vorbeugen. Auch kleinere Zahlungsversäumnisse dürfen nicht als Kavaliersdelikt abgetan werden.
Neben der Politik, die bereits eine neuerliche Reform des Verfahrens von Verbraucherinsolvenzen diskutiert, ist jede Privatperson gefordert, der Überschuldung selbst entgegenzuwirken und damit das erreichte hohe Niveau wieder abzusenken. Und wenn dann noch die Arbeitslosigkeit auf dem aktuellen Stand zumindest gehalten werden kann, sollte im laufenden Jahr 2008 auch die Zahl der überschuldeten Privatpersonen weiter abnehmen.
Bielefeld, 12.02.2007 Creditreform Kompetenz Center in OWL
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