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Geschäftszahlen per App

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 17.05.2011


Unerwartet haben iPad und Smartphones dem mobilen Arbeiten zu neuen Höhen verholfen. Warum sich Unternehmen ernsthaft mit dem Thema „Business App“ auseinandersetzen sollten.

Laptops sind von gestern, es lebe das iPad? Als vor rund einem Jahr der Verkauf von Apples Tablet-PC startete, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass es schnell und in großen Mengen auch in den Händen seriöser Geschäftsanwender landen würde. Apple selbst verkaufte das Gerät von Beginn an zwar auch als Werkzeug für den Geschäftsalltag, die Angesprochenen aber sahen das zunächst kritisch. Zu verspielt, zu bunt, zu multimedial, so das (Vor-)Urteil. Jetzt aber schickt sich die handliche Flunder an, nicht nur für hippe Kreative zum ständigen Begleiter zu werden, sondern auch für Business-Nomaden, die dafür sogar ihr Laptop liegen lassen.

Das Unternehmen Salesforce etwa, größter Anbieter von Software für das elektronische Kundenmanagement (CRM), war unter den ersten Firmen, die Geschäftsanwendungen für das iPad verfügbar machten – und damit zunächst auch Kopfschütteln erntete. Wöchentlich jedoch luden mehrere Tausend Anwender die Salesforce-Apps aus dem Netz, inzwischen haben andere nachgezogen. Für das jüngst vorgestellte iPad 2 signalisiert Salesforce bereits neue Applikationen. Auch Creditreform stellt Bonitätsprüfung und Verflechtungsinformationen längst per iPad und iPhone bereit (mehr hierzu im Artikel „Per App zur Auskunft“ in Heft 12/2010 auf Seite 35).

Bei Siemens Audiologische Technik, der Hörgeräte-Sparte des Münchner Konzerns, ist das iPad ebenfalls bereits Alltag. Seit Kurzem führen Berater bei Messen und anderen Gelegenheiten statt auf Notebooks auf feschen iPads den Kunden die Produkte vor und können über das Tool auch gleich bestellen. Entwickelt hat die Lösung der IT-Spezialist edicos. Der IT-Dienstleister Siller aus Heilbronn setzt ebenfalls auf das iPad als innovative Vertriebshilfe: Mit einer speziellen Applikation können Außendienstler das gesamte Produktportfolio als Bild oder Video auf dem schnieken Touchscreen des Tablets vorführen. „Vertrieb soll schließlich kein mühsames Klinkenputzen sein, sondern auch Spaß machen“, sagt Vorstand Mark Siller. Die Resonanz sei groß – jetzt suche man Apple-Entwickler, um weitere iPad-Apps auf den Weg zu bringen.
 

Bunte Bildchen aus Walldorf

Weit beliebter als erwartet ist das iPad offenbar auch bei viel reisenden Managern. So sieht die „Mobile Business Intelligence Market Study“ von Dresner Advisory das iPad bei solchen Anwendungen vorn, mit denen Manager einen schnellen Blick auf aktuelle Unternehmenszahlen erhaschen können. Vor kurzem noch nutzte die Klientel für dieses sogenannte Mobile Business Intelligence (BI), sprich Anwendungen, die wichtige Kennzahlen etwa in bunten Diagrammen darstellen, vornehmlich ihr Blackberry oder ihr Laptop, so die Studie.

Angesichts der unerwarteten iPad-Nutzerscharen sehen selbst konservative Analysten die vermeintlichen Spielzeuge von Apple inzwischen mit anderen Augen. Ende November empfahl das IT-Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner, das dem iPad sowie dem iPhone als Alltagswerkzeug im Geschäftsleben lange skeptisch gegenüberstand, sich ernsthaft mit dem Einbinden des Tablet-PCs in die eigene Firmenorganisation auseinanderzusetzen. „Das iPad ist mehr als nur ein neues Consumer-Gadget“, ließ Gartners Vize-Präsident Stephen Prentice verlauten.

Verstärkt hat den Trend ausgerechnet auch SAP. Die Anwendungen des größten deutschen Softwarekonzerns gelten gemeinhin eher als komplex und als Musterbeispiel seriöser Geschäftstätigkeit. Im Januar brachten die Walldorfer eine Version des Business ObjectsExplorer heraus, der Unternehmenskennzahlen in Diagramme oder Tabellen für iPad und iPhone umsetzt. Verbunden ist die App mit SAPs NetWeaver Business Warehouse Accelerator, einer BI-Lösung für Firmen mit großen Datenbeständen. Jüngst kündigte SAP an, auch Funktionen des größeren Bruders, der High-Performance Analytic Appliance (Hana), als Apps für das iPad sowie für andere mobile Geräte aufzubereiten. Bis Ende des Jahres sollen sich Manager mit insgesamt ein Dutzend Hana-Apps über ihr Smartphone oder Tablet-PC „on-the-fly“ auf dem Laufenden halten können.

Die Wende in Walldorf kommt nicht von ungefähr. SAP selbst sowie Partner hatten zwar in den vergangenen Jahren zahlreiche mobile Anwendungen für die Software-Systeme entwickelt. Die meisten allerdings blieben auf Java-fähige Endgeräte beschränkt. Für die weit verbreiteten Blackberrys etwa kamen entsprechende Lösungen erst spät, für die neuen Verkaufsschlager von Apple kamen sie gar nicht infrage. Das änderte sich mit der Übernahme des US-Unternehmens Sybase durch SAP im vergangenen Jahr. Eigentlich ein Datenbankspezialist, war Sybase zu einem Vorreiter mobiler und datenbankgestützter Geschäftsanwendungen für unterschiedliche Plattformen geworden. Schon vor dem Coup hatten SAP und Sybase kooperiert, das erste konkrete Ergebnis waren die SAP-Applikationen „Mobile Sales“ und „Mobile Workflow“, die für Außendienstler gedacht sind. Zu Beginn nur auf solchen Geräten lauffähig, die mit dem Betriebssystem Windows Mobile arbeiten, gibt es die Tools seit April 2010 auch für die Geräte von Apple, seit dem vergangenen November ebenfalls für Blackberrys.
 

Konkurrenz für iPad 2

Angespornt vom iPad-Erfolg wollen jetzt andere im Tablet-Markt mitmischen, und auch sie haben Geschäftsanwender mit im Blick. Noch in diesem Jahr werden HP, der Blackberry-Hersteller Research in Motion sowie der Handy-Hersteller HTC mit eigenen Tablet-PCs nachziehen. Motorola hat das mit dem Xoom bereits getan. Das seit März verfügbare Gerät arbeitet mit dem inzwischen von Google gekauften mobilen Betriebssystem Android, auf dem auch SAP-Tools laufen, ebenso die Business-Applikationen weiterer Hersteller.

Die neuen Tablets werden einen weiteren Trend verstärken, der derzeit unter dem Schlagwort „bring your own device – nutze dein eigenes mobiles Gerät“ – Furore macht. Das mobile Arbeiten hält nämlich auch dann in Unternehmen Einzug, wenn dies gar nicht erklärte Firmenpolitik ist. Mitarbeiter kauften privat ohnehin hippe mobile Gerätschaften und nutzen sie auch für betriebliche Zwecke, haben Gartner-Analysten festgestellt. Bestätigt wird dies durch eine Erhebung von Forrester Research. Danach nutzen 57 Prozent der Angestellten in den USA ihre privaten Mobil-Geräte auch für Arbeitsgespräche, 48 Prozent rufen darüber E-Mails ihres Firmenaccounts ab, 42 Prozent suchen damit im Internet nach arbeitsbezogenen Informationen. Für Dr. Raj Nathan, den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bei Sybase, ein Potenzial, dem sich Unternehmen annehmen sollten: „Die Geräte liegen bereits auf den Schreibtischen und warten nur darauf, für die Arbeit eingesetzt zu werden. Unternehmen, die das erkennen und nutzen, werden schnell belohnt.“

Aus technischer Sicht bereitet die Entwicklung allerdings Kopfzerbrechen. Die überwiegende Zahl der IT-Administratoren ist auf Windows gepolt, Software von Apple oder das weit verbreitete Betriebssystem Android, das auf Linux basiert, stellt sie vor Probleme. Unternehmen jedoch müssten ihren geschlossenen „Windows-Shop“ für Soft- und Hardware anderer Hersteller öffnen, fordern Experten einhellig. Täten sie das nicht, vergeben sie Chancen und seien überdies vor allem für junge Mitarbeiter, für die mobiles Chatten und das Tummeln in sozialen Netzwerken per Tablet-PC oder Smartphone zum Alltag gehören, weniger attraktiv.
 

Mobilfunkmanagement:
Warum nicht outsourcen?

Wer war noch gleich der günstigste Mobilfunkanbieter? Im Tarifdschungel den Überblick zu behalten, fällt schwer. Kein Wunder, dass sich Anbieter wie BTD Services, Consense, h2quadrat oder aetka Communication genau darauf spezialisiert haben.

Unter dem Schlagwort „Mobilfunkmanagement“ verwalten die Anbieter die Verträge und die technische Infrastruktur für das mobile Geschäft. Die Angebote umfassen das Bereitstellen von Geräten, die Administration der Infrastruktur samt Help-Desk, das Vertragsmanagement, Rechnungsprüfung, IT-Services und anderes mehr. Finanziell lohnen kann das Auslagern des Mobilfunkmanagements bei mehreren 100 Mitarbeitern, die mit mobilen Gerätschaften arbeiten.
 


Autor: Dirk Schäfer



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